ORDEN OGAN


ORDEN OGAN sind einst als absolute Hoffnungsträger in Sachen Power Metal aus Deutschland gestartet, mittlerweile hat sich die Band absolut in der Szene etabliert und konnte mit dem letzten Album „To the End“ so richtig Fuß fassen.
Nun steht uns das neue Album „Ravenhead“ ins Haus und ich sprach mit Mastermind Seeb Levermann über das neue Werk und die letzten Monate.

J.P: Hallo Seeb. vielen Dank das du mir ein paar Fragen zu eurem neuen Album und zur aktuellen Situation beantwortest. Das neue Album ist euch ja mal wieder hervorragend gelungen, wie lief denn der Aufnahmeprozess ab? Von wann bis wann ist denn das Album entstanden? 

S.L: Also das lief dieses Mal ein wenig strenger ab als sonst, wir haben intensiv mit dem Songwriting  Anfang 2014 angefangen und als erstes die Schlagzeug und Choraufnahmen im Juni gemacht. Was an sich sehr ungewöhnlich ist. Ende November waren wir dann schlussendlich fertig, wieder erst kurz vor knapp vorm Release, aber das ist nun mal so, es ist halt wesentlich simpler ein Death Metalalbum zu produzieren, als ein Power Metalalbum, so wie wir ihn spielen. Ich mache ja auch die Produktion und den Mix selbst von daher fallen da schon eine Menge Arbeiten an. Es ist ja auch nicht ungewöhnlich das BLIND GUARDIAN immer so lange brauchen, das kann man vom Arbeitsaufwand her glaube ich in Etwa mit dem unseren vergleichen.

J.P: Die letzte Platte „To the End“ liegt ja nun schon ein Weilchen zurück wie blickst du rückblickend auf die Scheibe zurück, wurden eure Erwartungen erfüllt?
Bei Fans und Presse kam das Werk ja super an und mit dem tollem Video zu „The Things we believe in“ ward ihr ja in aller Munde, oder?

S.L: Also die Rückschau fällt absolut positiv aus! Ich persönlich halte mich mit Erwartungen immer zurück, ich bin so ein Typ der die Musik macht weil er das liebt was er tut. Es ist halt ein Stück Selbstverwirklichung  und egal was hinten raus kommt wir machen es so oder so. Das soll jetzt nicht heißen dass uns unsere Fans egal sind, aber wir machen das einfach weil wir das so wollen. Und umso mehr Leuten das gefällt, umso besser! Ich meine klar wir hatten damals schon das Gefühl das die Scheibe gut ist und auch der Videoclip kam super an. Wir sind damals mit Platz 41 in die Charts eingestiegen und der Clip steht aktuell bei über 1,4 Millionen Klicks da kann man schon zufrieden sein und wir haben eine fantastische Entwicklung durchgemacht. Hätten wir Erwartungen gehabt, sie wären auf jeden Fall übertroffen worden!



J.P: Im Gegensatz zur eurer letzten Platte, wo siehst du denn die größten Unterschiede zur aktuellen Scheibe „Ravenhead“? Für mich klingt es als eine gekonnte Mischung aus euren bisherigen  Alben und Stilen, liege ich da richtig?

S.L: Also „To the End“ war ja eher schon das etwas direktere Album als zum Beispiel „Easton Hope“ oder „Vale“. „Easton Hope“ war eher so das proggiere Album und ich denke mit „Ravenhead“ haben wir den Weg den wir bei „To the End“ eingeschlagen haben konsequent weiterverfolgt. Man bekommt ja auch immer Feedback wenn man viel tourt und unsere Stärken waren schon immer ganz klar in den Refrains und den, für eine Melodic Metalband, harten Riffs zu suchen. Und diese beiden Stärken haben wir denke ich auf dem neuen Album absolut hervorgehoben.
Wir hatten aber auch irgendwie dieses Mal einen anderen Ansatz was das Songwriting angeht. Früher ging es immer nach der James Hetfield Methode, alles dreht sich um das Riff, dieses Mal standen zuerst die Refrains und darauf bauten dann die Songs auf. Und ich denke das hört man dem Album auch absolut an!

J.P: Kommen wir mal zu den Songs auf dem aktuellen Album. Das gesamte Album ist ja bärenstark, aber welche Songs sind denn so deine Favoriten auf dem Album? Für mich stechen ein wenig der Titeltrack „Ravenhead“, „F.E.V.E.R“ , „Evil Lies in every Man“ und „Here at the End of the World“ hervor. Kannst du uns zu diesen Songs etwas erzählen?

S.L: Das witzige dabei ist ja das die Leute immer eine andere Meinung haben. Ich bin schon immer relativ überzeugt von meiner Meinung, versuche aber auch nicht beratungsresistent zu sein. Es gab zum Beispiel relativ viel Gegenwind was „F.E.V.E.R“ anging vom Label und Management, man fand „The Lake“ besser. Aber ich würde hier „F.E.V.E.R“ ganz klar immer vorziehen. Auch „Evil Lies in every Man“ und „Here at the End of the World“ wurden von AFM eher als die Durchhänger des Albums bezeichnet, deswegen findet ich es super, dass dir die Songs gefallen haben und du sie hier ansprichst. So hat jeder halt seine Faves.

J.P: Mit Joacim Cans und Chris Boltendahl habt ihr zwei bekannte Gastsänger auf dem Album. Wie kam es denn zur Zusammenarbeit, wie fand die Kontaktaufnahme statt und warum gerade diese beiden Stimmen?

S.L: Also ich bin generell eher ein Gegner von so Namedroppinggeschichten, also jemand auf seinem Album spielen zu lassen nur um ihn dabei zu haben und die Bekanntheit zu steigern. Da muss schon ein Song extrem nach genau dieser Stimme schreien. Wir waren sowohl mit GRAVE DIGGER und HAMMERFALL auf Tour und speziell zu Chris Boltendahl hat sich dann einfach eine Freundschaft entwickelt, ich habe zum Beispiel auch auf dem letzten Album von ihnen die Chöre mit eingesungen, und da war es für ihn selbstverständlich das er auch bei uns mal singt. Mir war dann auch sofort klar welchen Song er veredeln sollte!

J.P: Wie stehst du denn generell zum Thema Namedropping?

S.L: Also man kann das für ein Projekt schon mal machen, aber als wirkliche Band würde ich das nicht machen! Das ist für mich dann einfach keine Band mehr. Was soll ich mir das Album mit Gastsängern vollknallen wenn ich doch einen richtigen Sänger habe? Die Leute sollten die Platte kaufen weil sie die Musik gut finde und nicht weil Sänger/Musiker XY darauf zu hören ist!

J.P: Gibt es eigentlich ein gewisses Konzept beim Album, also eine Art roter Faden der sich durch die Songs zieht?

S.L: Also bislang gab es auf jeden ORDEN OGAN Platte schon eine lose Geschichte. Bei „To the End“ ging es zum Beispiel um diese Apokalypse Thema und auf „Ravenhead“ geht es größtenteils um das Kloster Ravenhead in dem die Mönche des ORDEN OGAN wohnen. Es war halt mal an der Zeit das Ganze Drumherum um den Bandnamen genauer zu erklären. Viele Songs drehen sich halt um die Örtlichkeit des Klosters. Zum Beispiel liegt da vor halt der See, in dem die Dame vom Front Cover haust und nun arme Schweine dort hineinzieht. Es ist lyrisch ein sehr düsteres Album, kleine Horrorgeschichten halt. Aber ich lege auch viel Wert drauf, dass jeder Song auch eine zweite Deutung zulässt. „F.E.V.E.R“ zum Beispiel ist ursprünglich geschrieben worden mit der Thematik der einen Frau oder der einen Beziehung die man besser nicht gehabt hätte : - ).

J.P: Zum Song F.E.V.E.R gibt es ja schon ein recht cooles Video. Wer hatte denn die Idee zu dieser Horrormäßigen Umsetzung und wovon handelt der Song bzw. der Clip?

S.L: Also das Video basiert schon komplett auf meiner Idee, wobei ich auch sagen muss das der Regisseur hier eine unglaubliche Arbeit abgeliefert hat und er uns teilweise echt in den Wahnsinn getrieben hat! Den ich sage mal so, man kann sich eine einfachere Location aussuchen, als ein nasskalter Sumpf wo mitten im November gedreht wird und ein Schauspieler dann auch immer wieder in den arschkalten See reinlatschen muss : - ). Der ganze Dreh war schon nicht ohne, aber ich denke es hat sich schlussendlich gelohnt! Es war mir auf jeden Fall wichtig das das Ganze bildgewaltig wird und ich denke das haben wir geschafft.

J.P: ORDEN OGAN ist ja definitiv dein Baby. Wenn du mal auf die bisherige Bandkarriere und die Alben zurückblickst, bist du mit der Entwicklung zufrieden? Würdest du irgendetwas anders machen, oder hätte es zum Beispiel die eine oder andere Scheibe in der damaligen Form mit deinem heutigen Wissen so nicht gegeben?

S.L: Nein also ich würde nichts anders machen, wenn ich auf alles zurückblicke! Das Hauptziel ist eigentlich schon lange erreicht nämlich das man von der Musik leben kann. Mein Kühlschrank füllt sich dadurch und insofern nehmen wir jetzt alles zusätzlich gerne mit, freuen uns auf jeden Show die wir spielen können und sind einfach froh das wir das Ganze so machen können, wie wir es einfach machen!
Wir ruhen uns jetzt nicht auf der faulen Haut aus, sind aber einfach froh über das erreichte. Klar es gibt auch Bands die gehen wesentlich schneller durch die Decke als wir aber ich bin eigentlich ganz froh, und für uns ist es auch absolut ok, das es bei uns einfach eine kontinuierliche Entwicklung gegeben hat und auch einen kontinuierlicher Aufstieg gegeben hat. Man weiß das dann eher zu schätzen!

J.P: Eure Liveshows sollen ja immer etwas Besonderes sein, ich kam leider noch nicht in den Genuss einer solchen, wie schaut es denn mal mit einer Live DVD aus? Ich denke es dürfte viele eurer Fans geben die so etwas herbei sehnen!

S.L: Könnte auf jeden Fall ein Thema werden, wir haben zwei Supporttouren in Planung und eventuell auch eine Headlinertour 2016. Das ist aber noch nicht spruchreif und natürlich würde es sich dann bei den ganzen Liveauftritten anbieten so was zu machen. Mal schauen was passiert.

J.P: Hast du eigentlich musikalische Vorbilder?

S.L: Also es gibt viele Leute deren Talent und Arbeit ich respektiere und wertschätze, ich bin da aber jetzt nicht als Fan unterwegs. Bei Vorbildern dreht es sich bei mir eher um die Produzententätigkeit, was ich ja nebenbei auch noch mache. In diesem Bereich finde ich die Arbeiten von Andy Sneap und Colin Richardson super und meiner Meinung machen sie die besten Produktionen im Metalbereich. Als Vorbilder würde ich sie aber auch nicht bezeichnen, eher als Inspiration.

J.P: Aus deiner Produzentensicht, hast du vielleicht eine Bandempfehlung aus deinem Studio?

S.L: Ein super Album aus dem letzten Jahr was ich gemixt habe ist das neue VANISHING POINT Album „Distant is the Sun“ was ebenfalls bei AFM erschienen ist.

J.P: Seeb wie geht es denn jetzt genau bei ORDEN OGAN weiter? Eine Tour ist doch bestimmt in Planung, oder? Was steht bei dir selbst als nächstes an?

S.L: Tja also im Prinzip bin ich erstmal mit ORDEN OGAN komplett ausgelastet. Nächste Woche fliegen wir zum Beispiel für einen Promotag nach Paris und ich dachte ich könnte mich jetzt mal etwas ausruhen, Pustekuchen! .: - )
Die Tourgeschichten müssen vorbereitet werden, die ganze Promo etc. Es ist ein bisschen was liegen geblieben, gerade was in den Bereich Newcomerbandproduktion fällt. Ich denke das werde ich jetzt vor der HAMMERFALL Supporttour noch versuchen abzuarbeiten und dann wenn ich von der Tour nach Hause komme, werde ich wohl auch erstmal etwas Urlaub machen und die Akkus wieder aufladen, denn die Aufnahmen zu „Ravenhead“ waren schon sehr kraftraubend und mit sehr wenig Schlaf verbunden.

J.P: Vielen Dank Seeb für deine Zeit und die interessanten Antworten im Zuge dieses Interviews! Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft, die letzten Worte gehören natürlich dir. 

S.L: Also ich müsste mir eigentlich mal etwas anderes überlegen, ich erzähle an dieser Stelle immer das Gleiche, aber es ist so wie es ist! Wir können das was wir machen nur in dem Umfang machen, weil die Leute uns mögen, unsere Alben kaufen und unsere Konzerte besuchen. Und deswegen kann ich nur ein ganz großes Dankeschön loswerden in Richtung unserer Fans!!

Julian

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